Samstag, 1. Februar 2014
Hundefreunde
Es begann alles damit, dass ich in meinem Zimmer am Fenster stand und auf Hundebesitzer wartete. Genauer: weibliche Hundebesitzer. Diese gingen an unserem Mietshaus dem Weg folgend vorbei oder verließen den gepflasterten Weg, um ihre Hunde auf ein angrenzendes Feld zu führen, welches hinter unserem Haus lag. Sobald ich eine "Kandidatin" erkannte, lief ich auf die andere Seite der Wohnung und konnte von der Küche erkennen, ob sie den Weg verließen, um aufs Feld zu wechseln. Dann konnte ich noch rechtzeitig in unser Wohnzimmer, um mich dort bei aufgezogener Balkontürgardine in Szene zu setzen.
Besonders reizvoll waren Dämmerungsstunden. Dann hatte ich das Zimmer halb beleuchtet und die Wahrscheinlichkeit stieg, dass sie mich sehen konnten. Natürlich musste es immer nach einem Zufall aussehen, denn ein "offensives Zeigen" hätte eine Beanzeigung nach sich gezogen.

Eine Variante des Zufalls war der Anruf auf dem Festnetztelefon. Wenn das Oberlicht der Balkontür geöffnet war, konnte dieses Klingeln bereits der Auslöser des Hinüberschauens sein. Ein besonders schöner Fall war eine Frau, die nicht auf das Feld wollte, aber ihr freilaufender, junger Hund diesen Weg einschlug. Sie folgte ihm langsam, seinen Namen rufend.
Ich wählte mit dem Handy unsere Nummer, lies es klingeln, und als sie in unser Paterre-Wohnzimmer hineinblickte, stand ich nackt von der Couch auf und ging zum Telefon, welches ich so auf der Anrichte positioniert hatte, dass sie mich bis zu den Oberschenkeln frei stehend sehen konnte und ich von einem Wandstrahler beleuchtet wurde.
Mein optischer Zustand verriet ihr, dass ich eigentlich kein Telefonat führen wollte. Ich sagte dann auch laut genug: "Nein, die kommt erst in zwei Stunden wieder heim." und legte dann nach der Verabschiedung auf.
Ihr Rufen nach ihrem Hund verstummte augenblicklich und sie zündete sich eine Zigarette an. Eigentlich konnte ich aus den Augenwickeln kaum mehr erkennen, als das gelegentliche Aufglimmer der Zigarette.
Da ich meine "Tätigkeit" während des ungebetenen Anrufs nicht eingestellt hatte und in meiner Telefonhörerhand ein Taschentuch hielt, wartete sie noch bis ich nach dem Auflegen das Taschentuch in Position brachte und es unter ihrer Beobachtung benutzte.

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