Montag, 3. Februar 2014
Teil II: Büropflänzchen
Es begann alles damit, dass der Keim der Neugier in fruchtbaren Boden gedeihte.
Natürlich dauerte es einige Tage bis ich eine neue E-Mail auf meinem Lock-Account bekam, auf dem noch nie jemand etwas hinterlassen hatte.

Das Gespann Judith und Stefanie kreierten eine candysweet, die meine Kontaktanzeige beantwortete:

"Hallo Andy,
deine Kontaktanzeige gefällt mir. Hatte schon oft den Gedanken, auch ich könnte es mal mit Wäscheverkaufen versuchen, um einige Euros nebenher zu verdienen, doch hatte ich noch nie den Mut dazu. Wenn du mir Wege aufzeigst, wie wir Geld gegen Wäsche tauschen können, ohne dass du meine Identität erfährst, dann möchte ich das ausprobieren. Irgendwie bin ich auch sehr neugierig, was dir daran so gut gefällt. Kannst du das verraten? Du schreibst, du bist sehr zeigefreudig. Kannst du mir ein Fotos senden (kannst gerne dein Gesicht am Anfang unkenntlich machen, wenn du das für nötig hältst.)
Ich werde mich mit dir auf keinen Fall treffen wollen, da ich einen Freund habe! Dieses E-Mail-Anschrift ist neu und etra für diese Aktion erschaffen. Überzeuge mich, dass ich mir diese Mühe nicht umsonst gemacht habe! Umsonst bekommst du auch keine Wäsche. Schreibe mir mal, was du dir vorstellst, also welche Kleidungsstücke und welche Summen du bereit bist dafür zu zahlen.
Besonders wie wir das Geschäft abschließen, ohne dass wir uns begegnen müssen. Wäre mir peinlich.
Melde dich, cs"

Meine Bürogeheimnisse waren geboren und ich hatte eine Plattform geschaffen, um mich meinen Arbeitskolleginnen zu offenbaren und sie konnten mich inkognito ausspionieren.

Die Tage nach dem Ausdruck im Büro waren für uns alle nicht leicht. Ich durfte meine Aufgeregtheit nicht erkennen lassen und sie mussten in meiner Anwesenheit sich nichts anmerken lassen, warum sie grinsten, wenn sie zu mir herübersahen und sich mit Blicken über micht lustig machten.

Noch am gleichen Abend schrieb ich folgende Antwort:
"Hallo Candysweet, freue mich über dein Interesse und deinen Mut, dieses Projekt zu starten. Ich bin mit 35 Jahren ein etwas schüchterner Mensch, zurzeit ohne Freundin, aber voller Sehnsüchte. Natürlich respektiere ich deinen Wunsch nach Anonymität und habe auch schon eine Idee, wie wir eine Übergabe gestalten könnten. Dazu dürfte dir aber der Weg nach Bochum nicht zu weit sein, denn dort lebe und arbeite ich. Wenn ich auf der Arbeit bin, kann ich dir die Straßen nennen, in denen ich in der Woche immer mein Auto parke. Wenn du mir einen Zeitraum von zwei Tagen nennst, lasse ich an trockenen Tagen meine Scheibe an der Beifahrerseite so weit offen, dass du einen DINA5-Umschlag einwerfen kannst. An den vereinbarten Tagen klemme ich hinter das Spiegelglas des rechten Außenspiegels eine kleine Plastiktüte mit einem Bindfaden auf dem Spiegelglas. Der Bindfaden ist mit Tesafilm festgeklebt. Tesa lösen, Bindfaden ziehen und du hast die Tüte. Du siehst, ich habe alles schon durchdacht. Über den Betrag, den du dann vorfindest, können wir noch verhandeln. Ich schlage aber vor, dass wir uns langsam steigern. Beim ersten Tausch wirfst du etwas von geringem Wert ein (vielleicht alte, getragene Socken?) und ich bezahle auch nur wenig, vielleicht 15 € maximal. Damit gehe ich sicher, dass mein Schaden gering ist, wenn ich auf eine "Betrügerin" hereinfalle. Danach können wir das dem wahren Wert angleichen, je nach Kaufpreis deiner Ersatzwäsche und dem Zeitaufwand für das Tragen und Anliefern. Da werden wir uns sicherlich einig.
Im Anhang findest du ein Foto, welches mich vor ca. 10 Jahren auf Malle zeigt. Eine Urlaubsbekanntschaft hat es in meinem Hotelzimmer gemacht. Daran kannst du mich auf der Straße nicht erkennen ;-) Freue mich auf deine Antwort, Andy"

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